CiBi – Geschichte einer Vollbremsung

CiBi - Cider + Bier
Für 2020 hatte die Streuobstmosterei viel vor. Grüne Woche in Berlin: Die Hauptstadt sollte mit BIRNOH, Verjus und Cidre vom Bodensee versorgt werden. Nächster großer Plan: Nachdem in den letzten Jahren die großen Bierkonzerne wie Heineken und Carlsberg mit Cider auf den Markt drängten, hatten wir mit CiBi das Getränk für eine regionale Gegenoffensive entwickelt. Wir waren uns mit der Biobrauerei Hald in Dunstelkingen einig: Cider & Bier wird die Grundlage einer neuen Getränkespezialität aus den beiden Bio-Musterregionen Bodensee und Heidenheim plus. Ein Etikett in Anlehnung an das Brisanti-Design wurde entwickelt, der Name CiBi (für Cider und Bier) gefiel uns und wurde flugs als Marke angemeldet. Gleichzeitig liefen die ersten Füllversuche in Dunstelkingen. Mal trübte die Mischung ein oder die Füllanlage kam mit der Dosierung der Kohlensäure nicht zurecht – alles sah nach den üblichen Herausforderungen bei der Entwicklung eines neuen Produkts aus. Aber der Zeitplan war klar: Die Premiere für unseren Bio-CiBi sollte zeitgleich auf den großen internationalen Messen Intergastra in Stuttgart und Biofach in Nürnberg im Februar erfolgen. Stand Anfang Februar: Etiketten gedruckt, Getränk gefüllt, Zoll informiert. Dann die Mitteilung vom Zoll, kurz vor Messebeginn, dass unser neues Produkt als branntweinhaltiges „Zwischenerzeugnis“ eingestuft sei und statt des normalen Steuersatzes für Bier nun ungefähr der 12fache Steuersatz fällig werde. 102 statt 8 Euro Steuer pro 100 Liter. Damit wäre das Projekt gestorben. Die Bearbeitung unseres umgehenden Widerspruchs hat etwas gedauert und so lange war der CiBi im Zolllager festgesetzt. Als der Zoll schließlich festgestellt hat, dass wir gar keinen Branntwein verwenden, waren die Messen vorbei, alle Gaststätten geschlossen und Feste abgesagt. Nun können wir das neue Getränk erstmal selbst trinken. Das ist ein wenig anstrengend – so ganz allein. Daher: die Mosterei ist jeden Samstag von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Aufgrund des Distanzgebotes bedienen wir unsere Kundschaft im Freien vor der Mosterei und alle die vorbeischauen erhalten eine Flasche CiBi geschenkt. Er zischt und sprudelt und ist lecker. Prosten wir uns über 2 Meter Abstand mit CiBi zu: Bleibt gesund! Übrigens: CiBi ist nicht nur die Abkürzung für die Mischung aus Cider und Bier, sondern so heißt auch der Kampftanz und -gesang der Rugbymannschaft von Fidschi. Im Internet gibt es Videos als Inspiration für ein Indoor-Workout: „Ai tei vovo“ [Bereite dich vor].

2018: Sülibirnenmost ausgezeichnet

Sortenreiner Sülibirnenmost
Der seit 2003 zum ersten Mal wieder gekelterte sortenreine Sülibirnenmost der Stahringer Streuobstmosterei wurde am 5. Mai in Ludwigsburg durch Staatssekretärin Gurr-Hirsch für seine hervorragende Qualität ausgezeichnet. Die Sülibirne ist die Mostbirnenkönigin der Bodenseeregion, die Bäume am See oft 150 bis 200 Jahre alt und äußerst rar. „Im Spätfrostjahr 2017 haben sowohl unsere jungen Sülibirnenbäume auf der Höri als auch die extrem alten auf dem Bodanrück dem Spätfrost standgehalten“ so Günther Schäfer von der Stahringer Streuobstmosterei. Zur Erinnerung an die Katastrophenernte hat Günther Schäfer zusammen mit seinem Team diese extrem gehaltvollen und raren Mostbirnen sortenrein und nach jahrhundertealter Tradition zu einem „Spätfrostjahrgang“ ausgebaut. Die Mühen haben sich gelohnt: Ein einzigartig frischer und spritziger Most ist nun in der Flasche und erhielt – obwohl bislang noch nicht ganz zur Vollendung ausgereift – auf dem diesjährigen Streuobsttag in Ludwigsburg als einziger Most eine Auszeichnung für hervorragende Qualität (91,5 von 100 möglichen Wertungspunkten). Süffig mit feiner Gärungskohlensäure und einem leicht herben Ton haben ihn die Moster völlig trocken ohne jede Restsüße ausgebaut. Beim normalen Most gibt es gar keine Kategorie für einen Obstwein mit weniger als 3 Gramm Restsüße pro Liter und frei von jeder Dosage. Die Moster in Stahringen haben ihn nun als „brut nature“ gekennzeichnet. Dies ist eine äußerst seltene Kategorie mit der extrem trockene Champagner und Schaumweine gekennzeichnet werden. Den raren 1100 Litern dieser Edition hat die Streuobstmosterei dann eine besondere Flasche (0,75 Liter) mit Glaskorken spendiert. Diese kleine Besonderheit geben die Moster nicht in den Handel: Der Sülibirnenmost kann jeden Samstag zwischen 10 und 13 Uhr in der Mosterei kostenlos probiert werden. Wer rechtzeitig kommt, kann dann für 6,50 € eine Flasche erwerben – solange Vorrat reicht. Günther Schäfer: „Wir haben uns kurz überlegt, ob wir nach der mageren Obstsaison im letzten Jahr den Most nicht für uns selbst als Seelentröster verwenden um über den Flurschaden hinwegzukommen, aber nach dem 1. Abstich war uns klar: Richtig freuen werden wir uns an dem edlen Stoff nur, wenn wir ihn – wie bei allen unseren Getränken sonst auch – mit unseren Kundinnen und Kunden teilen.“

2017 katastrophal schlechte Ernte

Ausrufezeichen
Weitere Verschlechterung der Ernteaussichten beim Streuobst. Stahringer Streuobstmosterei mit neuer Strategie zur Überbrückung der katastrophalen Ernteausfälle. Nach den heftigen Frostnächten im April waren an den Streuobstbestände am Bodensee zunächst nur begrenzte Schäden sichtbar. Durch die unterschiedlichen Höhenlagen und Blühzeitpunkte schienen zunächst mehr als 50% der Bestände den Frost überstanden zu haben. Jetzt entdeckte Günther Schäfer von der Stahringer Streuobstmosterei, dass viele Hochsstammobstbäume, deren Fruchtansätze den Frost augenscheinlich gut überstanden hatten, nun die Früchte vollständig abgeworfen haben. Günther Schäfer: „In den 28 Jahren seit dem Bestehen der Mosterei, habe ich eine derartig dramatische Sitution noch nicht erlebt. Zunächst hatte ich dieMedien-Meldungen über die Frostschäden als sehr zugespitzt empfunden, aber nach einer erneuten Begehung unserer eigenen Streuobstbestände Ende Mai rechne ich mit einer Vernichtung von bis zu 80% des Erntevolumens. Für uns als Regionalvermarkter, zu dessen Prinzipien es gehört nur Äpfel und Birnen aus der Bodenseeregion zu verarbeiten, ist diese Situation existenzbedrohend. Zumal nach zwei schwachen Obstjahren zu Beginn der neuen Erntesaison alle unsere Reserven aufgebraucht sein werden. Wir können jedoch nicht wie viele große obstverarbeitende Betriebe Äpfel national oder sogar international zukaufen.“ Jetzt plant die Streuobstmosterei die Aufstellung von eigenen Bewirtschaftungsteams um offensiv die in der Region vorhandenen, bislang nicht genutzten Streuobstbestände für die Mosterei zu erschließen. Günther Schäfer: „Schon seit einigen Jahren haben wir Streuobstflächen gepachtet und selbst bewirtschaftet. Immer mehr Obstlieferanten sind nicht mehr in der Lage die Streuobstwiesen zu pflegen, wollen aber die im Familienbesitz befindlichen Flächen auch nicht abgeben. Jetzt bieten wir systematisch allen Obstwiesenbesitzern die komplette Bewirtschaftung ihrer Obstwiesen inklusive Pflege der Bäume und Nachpflanzung an.“ Die Streuobstmosterei hofft mit diesem „Rundum-Wiesen-Service“ zusätzliche regionale Streuobstpotentiale zu erschließen und langfristig die wertvollen Bestände in ihrer Existenz zu sichern – und aktuell einen kleinen Ausgleich zu den miserablen Ernteaussichten zu schaffen. Neben dem Wiesen-Service unterbreitet die Streuobstmosterei in diesem Jahr allen bestehenden und interessierten Lieferanten ein lukratives finanzielles Angebot: So werden dieses Jahr die Mindest-Preise für ungespritztes Streuobst um über 100 % auf 30 € angehoben und für bio-zertifiziertes Streuobst von 20 auf 35 €. Parallel werden auch die Preise für die Produkte aus der Streuobstmosterei ab 1. Juli um 15 % erhöht. Günther Schäfer: „Wir wollen die Qualität unserer regionalen Produkte sichern und ausbauen, die Arbeitsplätze in der Mosterei erhalten und so langfristig für spritzmittelfreie Getränke vom Bodensee sorgen – wir bauen auf das Verständnis unserer Kundschaft.“ Für Rückfragen steht Ihnen Günther Schäfer unter 07738 1729 zur Verfügung.

2014: Blüte lässt auf gute Ernte hoffen

Blühender Birnbaum

·Kräftige Birnbaumblüte lässt bei guter Witterung nach 2 schlechten Jahren auf bessere Streuobsternte in diesem Herbst hoffen.
·Stahringer Streuobstmosterei startet mit Innovationen ins 25. Jahr
·Mit zwei öffentlichen Verkostungen wird interessierte Bevölkerung an der Entwicklung neuer Produkte beteiligt.
·Motto der Mosterei: Neue Getränke aus traditionellem Hochstammobst bereits durch viele Auszeichnungen bestätigt.

Mit Sorge betrachtet der Inhaber der Stahringer Streuobstmosterei Dr. Günther Schäfer die frühe Entwicklung der Obstbäume. Die bislang stabil frostfreie Witterung lässt allerdings langsam die Hoffnung auf einen guten Blühverlauf wachsen. Nach zwei unterdurchschnittlichen Streuobsternten 2012 und 2013 ist im Keller jetzt Platz für eine große Ernte. Inzwischen liefern zwischen Engen, der Höri, Radolfzell und Konstanz mehr als 40 Streuobstwiesenbesitzer ihr Obst für die Spezialitäten der Stahringer Streuobstmosterei. Zusammen mit zwei Fachwarten für Obstbaumschnitt pflegt die Mosterei selbst ca. 600 hochstämmige Obstbäume hauptsächlich auf den Gemarkungen Radolfzell, Allensbach und Konstanz. Günther Schäfer: „Als Mitglied von Gutes vom See erfüllen unsere Äpfel und Birnen die strengen regionalen Herkunftskriterien. Wer will, kann bei uns Säfte, Cidre, Most und Limonaden ausschließlich aus ungespritztem heimischem Streuobst erhalten.“

Wenn sich im September der Saisonstart der Stahringer Streuobstmosterei zum 25.mal jährt, kann die kleine Spezialitätenkelterei auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Das Konzept einer reinen Streuobstmosterei sorgte vor 25 Jahren für Aufsehen. So besuchte der damalige Baden-Württembergische Umweltminister Erwin Vetter, die Mosterei. Der CDU-Landwirtschaftminister Gerhard Weiser überreichte wenige Jahre später der Mosterei den Ehrenpreis der Landesregierung und auch die nur am westlichen Bodensee erhältlichen Produkte sorgten landesweit für Aufsehen. So wurde 2011 der Bodensee-Cidre Brisanti® als bester Cidre auf dem Baden-Württembergischen Streuobsttag ausgezeichnet, für den in Kooperation mit den Weltläden am westlichen Bodensee entwickelten Apfel-Birnen-Mango-Saft gab es im gleichen Jahr den Innovationspreis. Ein Jahr später (2012) wurde der Novembermost (Spätauflese) aus dem Stahringer Rathauskeller als bester Most Baden-Württembergs von Landwirtschaftsminister Alexander Bonde ausgezeichnet.

In der Tradition dieser Produktentwicklungen stehen die Streuobstlimonaden (Brisanti®Rot und Grün), die, ohne Zuckerzusatz hergestellt, inzwischen einen Platz in der innovativen regionalen Gastronomie gefunden haben.

Nun plant das Mostereiteam (Günther Schäfer, Sabine Seeliger, Beate Giesinger) in diesem Jahr gleich mehrere neue Coups. Sie laden an den nächsten zwei Samstagen (12.4. und 19.4.) jeweils von 10 bis 14 Uhr Interessierte ein, die verschieden Rezepturen einer neuentwickelten Mostbowle zu beurteilen. Günther Schäfer: „Wir wollen aus Zutaten der Region gemeinsam mit Menschen aus der Region ein neues Getränk entwickeln. Was am besten schmeckt wird anschließend produziert“.

Soeben wurde ein ausgewählter Jubiläumsmost aus den Spätauflesen zweier Jahrgänge abgefüllt. Auch wenn dieser Obstwein zum optimalen Geschmack noch Zeit auf der Flasche braucht, schwärmen die Moster schon jetzt.

Und das ist noch nicht alles was die Mosterei dieses Jahr an Neuem zu bieten hat. Etwas ganz Besonderes ist für das Jubiläumsmostereifest am 14. September geplant. Dann wird die Mosterei die erste Charge eines völlig neuen Getränks hergestellt aus Gelbmöstlerbirnen vom Bodensee präsentieren. Über Details und den Namen des Getränks hüllt man sich in Stahringen noch in Schweigen.

Getränkeproduzenten gegen Glasverbot

Fragezeichen
Schädigung der regionalen Wirtschaft: Getränkeproduzenten fordern Aufhebung des Konstanzer Glasverbots und unterstützen den Normenkontrollantrag gegen das Glasverbot. Das vom Konstanzer Gemeinderat beschlossene Glasverbot in öffentlichen Uferbereichen wird von Vertretern der regionalen Getränkewirtschaft abgelehnt. „Das Glasverbot verzerrt den Wettbewerb zum Nachteil der regionalen Wirtschaft“ so Clemens Fleischmann von der Randegger Ottilienquelle und Roland Aicheler von Schlör Fruchtsäfte. Die Getränkeproduzenten in der Region setzen auf Pfandflaschen aus Glas, weil diese wieder befüllbar sind und deutlich umweltfreundlicher als beispielsweise Getränkedosen, auf die die regionalen Produzenten verzichten. Die Getränkehersteller verstehen den Wunsch der Stadt, die Gefahr durch Scherben zu verringern. Dies lässt sich statt mit einem unverhältnismäßigen Kollektivverbot jedoch besser durch gezielte Maßnahmen gegen die kleine Minderheit der Randalierer erreichen. Schließlich widerspreche die Stadt mit der Verbannung der Glas-Pfandflaschen auch dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz, das die Müllvermeidung vor der Verwertung und Beseitigung vorgebe. „Die bisherige Praxis hat gezeigt, dass ein Glasverbot lediglich gesetzestreue Bürgerinnen und Bürger einschränkt ohne Randalierer von ihren Vergehen abzuhalten“, so Günther Schäfer von der Stahringer Streuobstmosterei. Die drei Getränkeproduzenten (Randegger Ottilienquelle, Schlör Fruchtsäfte und Stahringer Streuobstmosterei) fordern die Stadt Konstanz daher auf, das umweltfeindliche Glasverbot zurückzunehmen und damit aufzuhören Glas-Mehrwegverpackungen aus dem öffentlichen Leben auszuschließen. Ansonsten seien auch Schadensersatzforderungen der regionalen Produzenten wegen Wettbewerbsverzerrung zu Gunsten von Einwegverpackungen gegen die Stadt möglich. Die drei Getränkeproduzenten unterstützen ausdrücklich die Klage des Konstanzer Bürgers Benjamin Wohnhaas gegen das Glasverbot (vertreten durch die Kanzlei Dr. Binder, Flaig & Ritterhof) beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim und werden diese Unterstützung auch finanziell durch Spenden untermauern.